Erlebnisse14 Nov 2008 03:13 pm

Den 19.März 2003, fast drei Monate vor meinem 20. Hochzeitstag, werde ich so schnell nicht vergessen.

„Im Namen des Volkes wird die am 02.Juni 1983 geschlossene Ehe der Parteien rechtskräftig geschieden“, verkündigte der Richter und schloss die Verhandlung.

Dieser Satz schwirrte noch lange in meinem Kopf herum, ‚was hatte das Volk damit zu tun?’, dachte ich immer wieder. Statt mich zu freuen, verließ ich den Gerichtssaal und fiel meiner zukünftigen Schwägerin Nicole weinend in die Arme. Ich weiß bis heute nicht, warum ich am Heulen war, eigentlich hatte ich allen Grund glücklich zu sein. Vielleicht war es der Ausspruch meines Exmannes:

“Endlich bin ich sie los!“

Jedenfalls war ich jetzt frei, frei für Jörg und wir könnten endlich heiraten. Den Heiratsantrag hatte er mir schon vor zwei Jahren gemacht. Wenn es da nicht ein kleines Problem gegeben hätte. Ich war im sechsten Monat schwanger, und mit einem dicken Bauch wollte ich nun nicht zum Standesamt marschieren. Erstmal die Entbindung abwarten, die Hochzeit schon mal planen, dachte ich mir, aber Jörg zeigte, trotz meiner kleinen Seitenhiebe, keine Anstalten das Wort Hochzeit auch nur in den Mund zu nehmen.Enttäuschung kroch in mir hoch, wollte er nicht mehr heiraten? Und so ließ ich das Thema erstmal ruhen. Bis zum Muttertag.Ich lag noch im Bett, denn ich hatte die ganze Nacht nicht richtig geschlafen. Mein wie ein Fußball geformter Bauch störte mich – ein Monat vor dem Entbindungstermin  bei allem, was ich tat, egal wie ich mich drehte und wendete. Jörg war schon aufgestanden, ich hatte aber noch keine Lust aus dem Bett zu kriechen. Plötzlich öffnete sich unsere Schlafzimmertür und er stand mit einem Tablett, beladen mit gekochten Eiern, herrlich duftendem Kaffee und aufgebackenen Brötchen vor meinem Bett.

„Guten Morgen Schatz, wie wäre es mit einem Frühstück im Bett?“, fragte er herausfordernd. Ich musste erstmal eine richtige Sitzposition einnehmen, um das Tablett in Empfang nehmen zu können, denn wie gesagt, mein Bauch störte enorm.Genüsslich ließ ich mir alles schmecken, wunderte mich nur, warum Jörg nichts aß. Er saß neben mir im Bett und lächelte mich an. Genau in dem Moment, als ich mit Wonne wieder in mein Brötchen beißen wollte, schob er mir ein Päckchen zu.

“Zum Muttertag.“

Mit zittrigen Händen öffnete ich es und war sprachlos.In dem Päckchen befanden sich zwei goldene, schlicht verzierte Ringe, ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt.

„Du hast so lange darauf gewartet. Nun frage ich dich zum zweiten Mal, möchtest du meine Frau werden?“

Ich war sprachlos, streifte meinen Ring über, man muss ja wissen, ob er passt, und mehr als ein klägliches „Ja“ brachte ich nicht über meine Lippen. Mit Tränen in den Augen betrachtete ich immer wieder den Ring. Ich war happy! Noch im Bett wurde ein Datum für die Hochzeit ausgesucht.Wir einigten uns auf den 19.August. Das war der noch einzige freie Tag im August, der nicht von Geburtstagen belegt war, bevor die Schule wieder anfangen würde. Meine Kinder aus erster Ehe, unsere Nichten und Neffen sollten ja auch dabei sein.Von diesem Tage an hatten wir viel zu tun, es mussten noch einige Fragen geklärt werden. Wie und wo wollten wir feiern? Wann sollten wir das Aufgebot bestellen? Vor der Geburt unserer Tochter - ich wusste seit einer Fruchtwasseruntersuchung, dass es ein Mädchen werden würde – oder danach? Wir entschieden uns für danach.Die Zeit verging wie im Flug, und plötzlich war er da, der Morgen der Geburt.Schon in der Nacht merkte ich in unregelmäßigen Abständen ein Ziehen. Gedanken, dass es losgeht, kamen mir nicht, schließlich hatte ich noch zwei Tage, und meine drei Jungens waren auch alle etliche Tage nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt gekommen.Gegen 05:00 Uhr, Jörg musste zur Arbeit, war das Ziehen immer noch unregelmäßig, aber eben immer noch vorhanden.

„Geh ruhig zur Arbeit, das kann noch dauern“, beruhigte ich ihn. Er stand mit Jacke und Rucksack in der Tür und wurde nun doch langsam sehr nervös. Mit einem Mal spürte ich, wie eine warme, feuchte Flüssigkeit in meiner Unterhose landete. Der Schleimpfropf hatte sich gelöst, es ging tatsächlich los.Hals über Kopf rief Jörg auf der Arbeit an, informierte meine Mutter, dass sie nach den Jungen schauen solle, und versuchte seine Schwester Nicole zu erreichen, die bei der Geburt dabei sein wollte. Sie ging nicht ans Telefon, und so fuhren wir ohne sie in die Klinik.Im Kreissaal ging es dann richtig zur Sache, eine Wehe jagte die andere, sie kamen jetzt in regelmäßigen Abständen.Bei der Untersuchung stellte die Hebamme fest, dass der Muttermund schon drei Zentimeter offen war und das Kind richtig lag. Ich durfte rumlaufen, damit das Ungeborene noch besser in den Geburtskanal rutschen konnte. Das tat ich auch, während Jörg sich mit der Hebamme gemütlich an die Wand hinter mir kauerte und mit ihr eine Unterhaltung anfing, ja sogar einen kleinen Flirt.Na warte dachte ich, du wirst nachher auch noch leiden müssen.So lief ich durch das Zimmer, und bei jeder Wehe drückte ich meine Hände ganz stark gegen die Wand, wäre sie nicht fest gewesen, ich hätte sie verschoben. Nach einer Stunde mit heftigen Wehen konnte ich nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, ich müsste auf Toilette und Stuhlgang machen. Daraufhin untersuchte mich die Hebamme nochmals und meinte: „Sie können pressen.“Was ich auch mit Freude tat. Ich presste und presste, dabei kratzte ich Jörg am Oberarm so stark, dass leichte Kratzspuren zu sehen waren. Nach sechs Mal pressen war sie da, unsere Tochter! Ich weiß nicht, wer glücklicher war. Jörg, dass er mit 38 Jahren zum ersten Mal Vater geworden war, oder ich, dass alles vorbei war.Da ich eine ambulante Entbindung machte, verließen wir nach zwei Stunden die Klinik mit der kleinen, neuen Erdenbürgerin.Zuhause wurden wir drei freudig erwartet, vor allem von Nicole, die Jörg in der Zwischenzeit erreicht hatte. Sie hatte das Klingeln vom Telefon gehört, doch sie hatte keine Lust gehabt ranzugehen. Es war ihr zu früh! Erst sehr viel später kam ihr der Gedanke, das könnte Meike oder Jörg gewesen sein, dass die Geburt losgeht. Eine Woche später wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht. Wir bestellten das Aufgebot und gleichzeitig hat Jörg die Vaterschaft von Celine anerkannt.

Geschichten07 Aug 2008 01:17 pm

 Melanie Jäger ließ das Wasser in die Wanne laufen, noch drei Stunden und sie würde ihn wieder sehen, als plötzlich ein Anruf kam.

„Frau Hauptkommissarin, Richter hier“, seine näselnde Stimme verlieh allem einen ironischen Unterton. „Ich hoffe ich störe nicht, aber wir müssen uns um eine Leiche am Geesteufer kümmern, gleich hinter der Müllverbrennungs-anlage. Es ist ein Jogger! Sie sollten es sich ansehen, er ist am ganzen Körper mit einem Ausschlag und Quaddeln übersät, aber weit und breit sind keine Sträucher zu entdecken, die so etwas hervor rufen könnten.“

„Ich komme“, knurrte sie in den Hörer und legte auf. 

 „Da sind sie ja endlich“, wurde Melanie gleich von Richter begrüßt, „die Leiche liegt dort hinten. Wir haben auch einen Zeugen, seinen Kumpel Claus Otto.“ „Alles der Reihe nach, erstmal will ich mir die Leiche und die Umgebung ansehen“, ließ sie Richter stehen und ging zum Fundort der Leiche. Auf dem Weg dahin schaute sie achtsam in die Gegend. Tatsächlich, keine Sträucher, noch nicht mal Brennnesseln waren zu entdecken. Mit Wucht riss sie die Decke vom leblosen Körper und taumelte gleich ein paar Schritte nach hinten. Das war doch Robert! Robert Niemeyer! Was war passiert?

„Richter! Wo ist der Zeuge?“ versuchte sie ruhig zu fragen.

„In meinem Auto.“ Viel war aus ihm nicht raus zu bekommen, außer dass sein Kumpel plötzlich Sprachstörungen und völlig orientierungslos war, und diesen entsetzlichen Hautausschlag mit Quaddeln bekam. Er nahm noch einen letzten Schluck aus seiner Trinkflasche, kippte um und war tot.

“Veranlassen sie bitte, dass der Tote in die Gerichtsmedizingebracht wird. Und lassen sie den Inhalt der Trinkflasche untersuchen, ich möchte Ergebnisse haben, denn hier stimmt was nicht. Ich fahre zu seiner Witwe“, murmelte sie in die Richtung von Richter und fuhr los. Nach dem Gespräch mit Elli Niemeyer fuhr Melanie sofort ins Kommissariat, um Ergebnisse zu erfahren. Ihr Gefühl sagte ihr, dass Elli etwas zu verbergen hatte. Ihre Reaktion war zu kalt, ohne Trauer. „Richter sind die Ergebnisse von dem Gerichtsmediziner schon da?“ fragte sie gleich beim Betreten des Büros.

„Ja, im Saft wurden Spuren von Glibenclamid, einem blutzuckersenkenden Medikament, und Bisoprolol, einem Beta Blocker, gefunden. Die beiden Medikamente in Kombination können …… Kurz und knapp, der Blutzucker von dem armen Kerl war total im Keller und seine Pumpe spielte zu dem dann noch ziemlich verrückt“, erwiderte er mit seiner näselnden Stimme, die Melanie so hasste.

„Dann werde ich mir die Witwe nochmals vornehmen und versuchen etwas mehr in Erfahrung zu bringen. Sie hat etwas zu verbergen, und ich werde rausbekommen was!“

Sie war schon fast aus dem Büro, als Richter hinter ihr herrief: “Ach Chefin, der Zeuge hatte sich nochmal gemeldet. Kurz bevor die Beiden mit dem Joggen anfingen, trafen sie noch die Exfrau des Verstorbenen.“

„Und?“

 Nun ja, er könnte schwören, dass sie die Trinkflasche in der Hand hatte, bevor sie mit dem Laufen anfingen. Hier ist ihre Adresse.“

„Dann werde ich mir die Dame auch mal vornehmen müssen, aber erstmal ist die Witwe nochmal dran.“  Diesmal machte die zwölfjährige Tochter der Witwe die Tür auf, und führte sie in die Küche zu ihrer Mutter. Elli war gerade dabei etwas auf dem Küchenschrank schnell mit einem Tuch zu zudecken, etwas zu schnell für Melanies Empfinden. Ihr kam es so vor, als wären es Tablettenschachteln gewesen.„War ihr Mann Diabetiker und Herzkrank, oder wüssten sie, wer ihm den Tot wünschen könnte?“, kam sie ohne Umschweife zum Thema, und ließ ihren Blick Richtung Küchenschrank schweifen.

„Nein, er war nicht krank. Aber seiner Ex Margrit, der würde ich es zutrauen, ihn um zubringen. Sie ist Krankenschwester und kommt an Medikamente ran“, kam ohne langes Zögern von ihr. „Ich fand schon häufiger in seinem Notizbuch einen Eintrag mit dem Vermerk: Treffen mit M.Vielleicht wollte sie wieder etwas von Robert, er aber nicht von ihr. Ich traue es ihr zu Robert umzubringen, weil er nichts wieder mit ihr anfangen wollte“, plauderte sie darauf los. „Ich würde es tun!“

Medikamente? Davon hatte ich doch noch gar nichts gesagt. Umbringen würde sie ihn, schoss es Melanie in den Kopf. Hier stimmt etwas nicht. Wollte Elli als sie kam gerade die Tabletten verschwinden lassen? Melanie musste unter das Tuch schauen können, und deshalb bat sie sie das Notizbuch zuholen.

„Sie war von Anfang an eifersüchtig auf mich“, warf Elli erklärend in den Raum und verließ die Küche.Kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, schaute Melanie eilig unter das Tuch und traute ihren Augen nicht. Dort lagen sie, die Medikamente.  

Melanie hatte die Tabletten offen auf den Küchentisch gelegt als Elli wieder in die Küche kam, um das Notizbuch zuzeigen. Beim Anblick der Beweise zögerte sie kurz, verzog dabei aber keine Miene.

„Das war die Idee von Claus. Claus meinte, bevor Robert wieder mit Margrit anbändelt, sollte er sterben und wir könnten seine Lebensversicherung kassieren. Es war abgemacht, dass er mit Robert zusammen joggt, und darauf achtet, dass er die Flasche auch wirklich leertrinkt.“

„Die Flasche mit dem Tablettengebräu, den sie angerührt hatten“, unterbrach Melanie Elli barsch.„Und dafür war das Joggen natürlich gut geeignet, oder? Einige viele Tabletten in das Getränk, und schon ist es passiert. Und zum Schluss uns auf die Fährte von seiner Ex schicken?“

„Wem gehörten die Tabletten?“ die Schärfe in Melanies Stimme war nicht zu überhören.

„Meiner Mutter. Claus ist Krankenpfleger, er wusste wie das Zeug wirkt.“ In ihrer Stimme war keine Reue zu hören, eher Zynismus.

„Frau Niemeyer, sie sind verhaftete, ich muss sie mit auf das Kommissariat nehmen.“ „Ach, und bevor ich es vergesse, der Eintrag M sollte nicht Margrit, sondern Melanie heißen. Ich war die Person, mit der sich ihr Mann treffen wollte.“ Sie sagte es ohne Ironie, eher mit Trauer in der Stimme.

Geschichten07 Aug 2008 01:11 pm

„17:30 Uhr, pünktlich wie immer, Herr Feddersen“, sagte der Pförtner in der Eingangshalle.

„Stimmt genau“, antwortete Feddersen und verließ mit einem freundlichen „Auf Wiedersehen“ die Halle, um an der Bushaltestelle auf seinen Bus zu warten.  Heiner Feddersen liebte sein Leben als Buchhalter, geordnet und streng eingeteilt. Jeden Morgen stand er pünktlich um 6:00 Uhr auf, verließ um 7:00 Uhr das Haus, um Punkt 8:00 Uhr mit der Arbeit zu beginnen. Pünktlich um 12:00 Uhr machte er für 30 Minuten Mittag, keine Minute länger, um dann bis 17:30 Uhr sauber und akkurat seine Akten weiter zu bearbeiten. Auch heute hatte sich nichts daran geändert, und es gab keine Anzeichen, dass sich etwas ändern würde.Er würde die üblichen drei Minuten auf seinen Bus warten und auf den gleichen Platz wie jeden Abend sitzen, seine Zeitung lesen, bis seine Haltestelle kommt, wo er aussteigen musste, um den gewohnten Weg bis zu seinem Haus, in der Lindenstraße 22, zu gehen. Alles würde so ablaufen wie jeden anderen Tag auch. Exakt drei Minuten später kam auch schon der Bus der Linie 60, und Feddersen stieg gut gelaunt, mit der Zeitung unter dem Arm, ein.

„Schöner Abend heute“, sagte er beim Einsteigen zu Herrn Otremba, dem Busfahrer. Sie kannten sich schon lange und wechselten immer ein paar belanglose Worte, bevor Feddersen sich links im Bus auf den ersten Platz in der zweiten Reihe setzte.

„Soll heute aber noch regnen“, gab Otremba zurück.

„Wir hatten in der letzten Zeit genug Regen, und wenn, dann bitte erst, wenn ich zuhause angekommen bin“, erwiderte Feddersen freundlich nickend, und steuerte die Richtung zu seinem gewohnten Platz an.

„Da haben Sie Recht“, kam noch von Herrn Otremba, aber Feddersen nahm es nicht mehr wahr, denn er blieb wie angewurzelt mitten im Gang stehen.Verdutzt schaute er sich um.Das war doch der erste Platz in der zweiten Reihe auf der linken Seite des Busses. Immer war der Platz frei, aber diesmal saß dort jemand.Wo sollte er sich jetzt hinsetzen? Er konnte sich nicht woanders hinsetzen, hier saß er doch jeden Abend. Das ist mein Platz, diese Person muss sich woanders hinsetzen, dachte er voller Panik.Mutig tippte er ihr auf die Schulter.

„Entschuldigen Sie bitte, hier sitze ich immer und lese nach Feierabend meine Zeitung. Würden sie bitte rutschen und sich auf den anderen Platz setzen?“ bat er höflich.

„Wie komme ich denn dazu“, giftete ihm eine dicke und nach Schweiß riechende Frau entgegen. „Sie können ja durchrutschen, ich werde es nicht tun und hier sitzen bleiben.“

„Ich bitte Sie höflichst einen Sitz weiterzurücken“, erwiderte Feddersen mit einer für ihn ungewohnten Schärfe in seiner Stimme. „Sonst bleibe ich hier stehen!“

„Tun Sie, was sie nicht lassen können, aber im Stehen lässt sich die Zeitung schlecht lesen“, konterte die Frau schnippisch und beachtete ihn nicht weiter.  Feddersen wusste im ersten Augenblick nicht was er machen sollte. Die Strecke bis zu seiner Haltestelle, wo er aussteigen musste, wurde immer kürzer. Zuhause hatte er keine Zeit seine Zeitung zu lesen, da musste er sich sein Abendbrot machen, den Abwasch erledigen, aufräumen und wie jeden Abend fernsehen, um dann pünktlich um 23:00 Uhr ins Bett zu gehen.

„Würden sie mich dann bitte durchlassen?“ bat er höflich mit zittriger Stimme.

„Ist ja schon gut, ich rutsche durch.“

Erleichtert setzte sich Feddersen hin. „Jetzt hat alles wieder seinen gewohnten Gang“, murmelte er leise vor sich hin und vertiefte sich ins Lesen. Plötzlich bekam er mit, dass der Bus an seiner Haltestelle vorbeifuhr. Entsetzt rief er: “Stop!“  Mit quietschenden Reifen hielt Otrembra den Bus an und Feddersen rannte verzweifelt und voller Hektik aus dem Bus, denn zum ersten Mal seit 15 Jahren war ihm so etwas wie heute passiert. 

Tagebuch07 Mrz 2008 11:39 am

Es ist wieder mal viel passiert. Am 08.02.2008 ist Eike mit ein paar Leuten aus seiner Schule für eine Woche zum Skifahren nach Österreich gefahren. Beim Abschied hatten wir noch Witze gemacht, wie breche dir nicht die Beine. Wir konnten ja nicht ahnen, dass es tatsächlich passieren würde.

Am Sonntagabend bekamen wir einen Anruf, zuerst war Jörg am Telefon und ich hörte immer nur, ich kann sie gut verstehen…,ja ich verstehe sie gut. Mein Gedanke war sofort, irgendetwas ist mit Eike!

War er frech gewesen oder hat er Unsinn gemacht, und ich muss ihn jetzt abholen?

Nein so war es aber nicht, denn Jörg gab mir plötzlich den Hörer und am Apparat war sein Lehrer, der mir mitteilte, dass Erke sich beim Skifahren die Kniescheiben gebrochen hatte. Aber genaueres könnte mir Frau A. sagen, denn sie ist mit ihm zum Krankenhaus gefahren.

Kurz und gut, dann habe ich Frau A. angerufen, und die teilte mir dann mit, dass Eike wohl noch in Österreich operiert werden müsste. Ich müsste nur noch mein Einverständnis per Telefon geben.

Nun erreiche mal auf einen Sonntagabend einen diensthabenden Arzt im Krankenhaus in Österreich. Vorallem, weil dort Hochsaison zum Skifahren ist, und viele meinen, dass sie sich ebenfalls verletzen müssten.

Am Montagmorgen habe ich dann endlich einen Arzt erreicht, und der erzählte mir dann, dass es besser wäre, wenn Eike gleich noch hier operiert werden würde und dann wohl, wenn alles gut geht, am Freitag wieder per Krankenwagen nach Hause transportiert werden würde. So ist es dann auch passsiert. Am Dienstag war die Operation und am freitag war er dann wieder zu Hause bei uns im Krankenhaus. Dort mußte er noch eine Woche bleiben und konnte dann entlassen werden.  Seit ca zwei Wochen geht er wieder zur Schule, muss aber einmal die Woche zur BG Sprechstunde und  zweimal pro Woche zur Krankengymnastik. In etwa zwei Wochen sollen die Schrauben hinter seinem Knie wieder entfernt werden. Aber wie ich es sehe, wird es noch ziemlich lange dauern, bis er sein Bein bzw. sein Knie wieder richtig bewegen kann.

Hauptsache ist aber, dass alles gut gegangen ist und er nicht zu viel von der Schule verpasst hat.

Geschichten12 Okt 2007 06:12 pm

Ungeduldig schaute ich auf die Bahnhofsuhr, der Regen prasselte auf das Dach, und ein eisiger Wind pfiff mir ins Gesicht. Schon 8:30 Uhr, seit einer Stunde warte ich jetzt hier, dass der Regionalzug Richtung Bremen endlich einfährt. Was ist denn bloß los? Dann werde ich wohl mal am Schalter in der Bahnhofhalle nachfragen müssen!

 „Guten Morgen! Was ist denn bitte schön mit dem Zug nach Bremen um 8:30 Uhr? Kommt er noch?“, fragte ich genervt den Beamten am Schalter.

„Die Lokführer streiken!“

 „Streiken! Haben die nichts anderes zutun, als in der Hauptverkehrszeit zu streiken?“, schoss mir aus dem Mund, und bedankte mich für die knappe Antwort. Dann muss ich wohl oder übel auf der Arbeit anrufen und mich für heute abmelden. Wieder ein unnützer Urlaubstag geopfert. Gott sei Dank hatte ich gestern noch mein Handy aufgeladen, so brauche ich nicht zur Telefonzelle latschen - die doch besetzt ist - und bei diesem Mistwetter warten, dass sie frei wird.

0421 30053 Hallo Karla, Melitta hier. …hast schon mitbekommen, dass ich heute noch nicht zur Arbeit erschienen bin? …ich sitze hier immer noch auf dem Bahnhof fest. …nein heute wohl nicht mehr. Die Lokführer streiken. …ja morgen bin ich wieder da, zur Not mit dem Fahrrad…als Arbeitstag zählen? Danke das ist nett, ich werde es dir nicht vergessen. Tschüss bis morgen.

Jetzt aber schnell zum Auto und nach Hause. Auf dem Bahnhofsvorplatz schlug mir wieder dieser eisige Wind entgegen, und der Regen goss in Sturzbächen vom Himmel. Schnell zog ich meinen Mantelkragen hoch und spannte meinen Schirm auf.Tatsächlich, die Telefonzelle ist besetzt. Hat wohl jemand Schutz vor dem Regen gesucht!

Nein, ist das nicht Helga? Jetzt musste ich erst mal näher rangehen, vielleicht soll ich sie ein Stück im Auto mitnehmen? Ja, es war tatsächlich Helga, soweit ich es durch die beschlagene Scheibe erkennen konnte, meine zukünftige Schwiegertochter. Gerade als ich an die Tür klopfen wollte, hörte ich es.

 „… ja, jeden Tag über 30 Grad …strahlend blau von morgens bis abends.“ 

 Von welchem Wetter redet sie denn? Bestimmt nicht von diesem Unwetter hier! Ich denke sie ist seit einer Woche verreist. Mit ihren Eltern nach Lanzarote? Wen will Helga da einen Bären aufbinden? Das höre ich mir mal genauer an, und ich stellte mich mit meinem Regenschirm schräg hinter die Telefonzelle. Hoffentlich hat sie mich noch nicht entdeckt?

 „… jede Menge Palmen, Dattelpalmen nehme ich an… Braun? … etwas angebräunt. Aber die Sache mit Ala und dem Hai, das war unglaublich… Schatzi, das habe ich dir doch geschrieben … Wie nicht angekommen? …muss aber noch kommen.“

Schatzi? Bei mir fingen die Alarmglocken zubimmeln an. So nennt Helga doch immer Sven! Meine Ohren wurden immer spitzer. Das darf doch nicht wahr sein!

„… traumhafte Bootsfahrt bei Vollmond … ja mit meinen Eltern… Ich muss Schluss machen, es steht jemand vor der Kabine … Ich dich auch… Küsschen, Küsschen. Tschüss!“

Oh Gott, sie hat aufgelegt, schnell abhauen, aber wohin. Den Regenschirm tiefer ins Gesicht ziehen und einfach hier hinter warten und hoffen, dass sie mich nicht entdeckt.

So, das wäre geschafft, Helga war schnell Richtung Bushaltestelle gelaufen, und in den nächsten Bus gestiegen. Puh, sie hatte mich nicht entdeckt. Jetzt aber auch schnellstens nach Hause, erstmal einen klaren Kopf bekommen. Den ganzen Rückweg musste ich über diese Wortfetzen nachdenken. Hatte sie tatsächlich mit Sven gesprochen, oder eventuell nur jemand anderen veräppelt? Aber sie wollte doch mit ihren Eltern in den Urlaub fliegen? Oder sind sie wieder zurück?

„Mutter? Bist du es? Was machst du denn schon hier?“ kam ihr Sven entgegen. „Bahn streikt, erzähle ich dir später“, entgegnete ich, meine Gedanken waren immer noch bei dem Telefongespräch.

„Helga hatte angerufen, das Wetter ist toll, sie vermisst mich, und…

“Ja ich weiß, jeden Tag über 30 Grad und jede Menge Palmen”, erwiderte ich. “Wann ruft sie denn wieder an?“

„Übermorgen.“

„Dann bestelle ihr schöne Grüße, und hier ist das Wetter saumäßig, wie vorgestern auf dem Bahnhofsvorplatz auch“, und ließ Sven mit verdutztem Gesicht stehen, denn ich hatte das Gefühl, jemand würde mir den Boden unter den Füßen wegziehen.   

Diese Schlange, diese Scheinheilige. Aber Helga würde ja irgendwann aus ihrem angeblichen Urlaub zurückkommen! 

Übungen12 Okt 2007 05:59 pm

1)   Der Wagen raste gegen einen Baum.

Als der Porschefahrer die Linkskurve passierte, sah er auf seiner Fahrbahnseite ein Motorrad auf sich zu rasen. Beim Versuch auszuweichen, knallte er mit Wucht gegen eine Kastanie.

Die Frau zog ihre Jacke an.   

Nachdem der Kinofilm zu Ende war, verließen die Zuschauer den Saal. Eine junge Frau verließ als Letztes den Saal, dabei zog sie, noch in Gedanken beim Film, ihre Strickjacke über und trat den Weg zur Haltstelle an.

Die Katze putzte ihre Pfoten.   

Der kleine Stubentiger rannte blitzschnell durch den Regen ins Haus. Drinnen angekommen, putze er sich gründlich das Fell und legte sich schnurrend an den warmen Ofen. 

 4)         Der Mann zündete eine Zigarette an.

An einem milden Herbstabend saß der alte Mann in seinem Schaukelstuhl auf der Veranda und beobachtete den Sonnenuntergang. Dabei rauchte er seine Pfeife, trank sein Bier und genoss die Ruhe um ihn herum. Der Wagen raste gegen einen Baum.

In der Abenddämmerung raste ein Porsche die regennasse Landstraße entlang. Beim Durchfahren einer Linkskurve sah er auf seiner Fahrbahnseite ein Motorrad auf sich zu kommen. Geblendet vom Licht des Motorrades versuchte der Autofahrer auszuweichen. Bei diesem Ausweichmanöver geriet der Wagen ins Schleudern; der Fahrer verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und fuhr mit voller Geschwindigkeit gegen eine am Straßenrand stehende Kastanie. 

 Der Mann zündete eine Zigarette an.

Die Sonne war schon zur Hälfte am Horizont verschwunden; in der Ferne plätscherte ein Bach.Der alte Mann saß an einem milden Herbstabend – wie jeden Abend - auf der Veranda seines Hauses. Er hatte es sich in seinem Schaukelstuhl bequem gemacht und schaute Richtung Westen um den restlichen Sonnenuntergang zu beobachten. Genüsslich rauchte er seine mit Vanilletabak gestopfte Pfeife, trank sein Bier und genoss die Ruhe um ihn herum.

Tagebuch14 Sep 2007 07:03 pm

Heute sollte Celine`s erstes Fußballturnier stattfinden.

Aber leider ist es im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen.

Kaum hatten wir den Fußballplatz erreicht, da fing es an zuregnen, nein es schüttete nur so in Strömen vom Himmel herab. Trotzdem sollten die kleinen Spieler sich erstmal umziehen, in der Hoffnung, dass der Regen bald wieder aufhören würde. Es war  süß anzusehen, wie sie dort in ihren Trikots standen und voller Aufregung nach draußen schauten, denn sie waren alle heiß darauf zu spielen.

Bei manch kleinen Knirps war nur  noch der Kopf und die Hände zu sehen, der Rest war völlig vom Trikot bedeckt. Die Sporthosen ragten  bis zu den Stutzen, vom Knie war nichts mehr zu entdecken.

Nach einer sehr langen Viertelstunde wurde das Turnier dann abgesagt, es hörte nicht auf zu regnen, und bei solch einem Wetter die vier-  bis Fünfjährigen spielen lassen, das wäre  riskant geworden. Die Enttäuschung war natürlich im ersten Moment bei den Kleinen sehr groß, aber nach einer Limo und einer Bonbontüte war alles wieder ok.

Schade eigentlich, ich hätte es zu gerne mit angesehen, wie die kleinen Torjäger auf Torejagd gehen würden. Nun hoffe ich doch sehr, dass das Wetter beim nächsten Turnier  es etwas besser mit uns meint.

Gedankensplitter10 Sep 2007 08:34 pm

Heute war ein Sch….tag.

Morgens wurde ich vom Regen geweckt, denn er prasselte mit so einem lauten Getöse auf das über meinem Bett befindliche Dachfenster,dass ich zwangsläufig, durch den Krach, wach werden mußte.

Regen, der Morgen fängt ja gut an, war mein erster Gedanke, und dann noch vorm Wecken, denn ich hatte noch genau eine halbe Stunde Zeit, bis mein Wecker mich wecken sollte.

Sche…, dachte ich.  Hätte der Regen nicht noch etwas warten können?

Aber nein. Es regnete solange, bis meine Kinder aus dem Haus waren, und erst dann machte  der Himmel seine Pforten zu, aber nur kurz, wie sich später herausstellen sollte.

Klasse,  kam mir der Gedanke, jetzt erreiche ich trocken das Auto. Weit gefehlt! Kaum hatte ich einen Fuß vor die Tür gesetzt, da kam ein Regenschauer herunter, der hatte es in sich. Trotz meines Spurtes  war ich  halb durchnässt, als ich meinen Wagen erreichte.

Es ist doch erst Anfang September, aber das Wetter ist zur Zeit wie im November. Ich finde es nicht sehr toll, wenn ich fast zehn Minuten im Auto sitzen bleiben muß, um einen Regenguss abzuwarten. Der ganze Vormittag lief mir davon, denn solche unfreiwilligen Pausen hatte ich heute öfters.

Regen, nichts als Regen!!

Den ganzen Tag wurde es nicht richtig hell und es regnete fast ununterbrochen. Wenn es so weiter schüttet, dann können wir morgen mit einem Boot zur Arbeit oder zur Schule paddeln. Unser Garten kann auch langsam Land unter melden.

Ich kann verstehen, dass bei solch einem Wetter manche Leute Depressionen bekommen. Es ist doch nicht normal. dass nachmittags um 17.00 Uhr  das Licht in der Wohnung angemacht werden muss. Ich selber habe ja bei diesem tollen Wetter zu nichts Lust.

Was kann man bei  so einem Wetter auch unternehmen, es sei denn man möchte unbedingt  nass werden.

Auch unser Hund ging nur kurz für sein Geschäft nach draussen. Kaum hatte er es erledigt, rannte er auch schon wieder Richtung Heimat. Aber mit solch einem Tempo, dass ich Schwierigkeiten hatte hinterher zu kommen und dabei nicht in die Pfützen zu treten.

Da bleibt mir eigentlich nur eins übrig, denn es regnet jetzt immer noch und ein leichter Sturm hat sich  entwickelt, rauf auf die Couch, ein gutes Buch lesen und ein Glas Wein dazu trinken. Vielleicht sollte ich doch lieber schon einen Glühwein trinken, denn auch die Wohnung ist ziemlich ausgekühlt. Aber leider habe ich noch keinen Glühwein gekauft. Gibt es eigentlich schon welchen?

Eigentlich sollte man die Heizung anstellen, aber es ist doch erst September. Wo soll das denn noch hinführen, wenn jetzt schon die Heizung angestellt wird? Vorallem bei unseren Gaspreisen? Gott sei Dank haben wir einen Kaminofen und vom letzten Jahr noch Holz übrig. Wenn das Wetter so bleibt, dann werde ich den Kaminofen anstellen, denn frieren möchte ich nun wirklich nicht.

Aber jetzt erstmal  werde ich es mir gemütlich mit einer Wolldecke machen, denn ich bin drinnen und der Regen ist draussen. Und da soll er nach Möglichkeit auch bleiben!!

Geschichten10 Sep 2007 01:01 pm

  Fast geräuschlos glitt der letzte Nachtzug aus der Halle. Der Bahnsteig war leer, bis auf einen einzelnen Mann. Er hatte sich eine Zigarette angezündet und starrte dem Zug nach, dessen Schlusslichter rasch kleiner wurden.Die Konturen verschwammen vor seinen Augen und er fand sich in der Stille der Nacht wieder.Die Gedanken kreisten in seinem Kopf – Gedanken, die ihn in den letzten 5 Monaten nicht zur Ruhe kommen ließen.Er drückte die Zigarette aus und schloss die Augen. 

Da ging sie mit ihm. Sie gingen ohne sich nochmals umzudrehen und stiegen in den Nachtzug. Nur ein flüchtiges Tschüß, ein letztes Winken und einen Brief hinterließ sie ihm. 

Die feuchte Kälte der Nacht kroch langsam seine Beine hinauf – aber er fühlte nur einen dumpfen Schmerz und eine Leere.Übermüdet ließ er sich auf eine Bank nieder. „Sie ist weg, weg mit ihm“, hämmerte es sich in seinem Kopf ein, „ich habe ihn verloren.“Traurig schloss er wieder die Augen. 

Klara und er hatten doch eine gute Ehe geführt! Zumindest hatte er es 6 Jahre lang gedacht!Bis zu dem Tag, als er von der Arbeit nach Hause kam. Schon beim Betreten der Wohnung kam ihm die Stille unheimlich vor. Sein Sohn kam ihm nicht entgegen gestürmt, auch Klara war nirgends zu sehen. Das Einzige was er vorfand, war ein kleiner Zettel, auf dem stand: ‚Ich bin mit Sebastian weg. Du wirst von mir hören.’Keine Adresse, wo er sie erreichen könnte, keine Telefonnummer.Das nächste Lebenszeichen, zwei Wochen später, war ein  Anruf von ihr.Sie hatte die Scheidung eingereicht und das alleinige Sorgerecht für Sebastian beantragt. Er würde in Kürze die Scheidungspapiere zugeschickt bekommen.Warum? Er konnte es nicht begreifen. Sie hatte einen anderen Mann kennen gelernt, einen Army-Soldaten aus Garlstedt. Sein Name: Teddy Craig. Sobald die Scheidung durch war, wollte sie ihn heiraten. 

„Nein!“ Aufgeschreckt von seinem eigenen Schrei, riss er die Augen auf. Die Realität hatte ihn eingeholt. Ein eisiger Wind pfiff über den Bahnsteig, er fing zu frieren an. „Warum habe ich ohne zu kämpfen aufgegeben?“, schoss es Andreas durch den Kopf. „Ich hätte kämpfen müssen, zumindest um das Sorgerecht.“  Sebastian war doch noch so klein. Letzten Monat war er fünf Jahre geworden, und er durfte nicht dabei sein, der Neue wollte es nicht. Nächstes Jahr würde Sebastian in die Schule kommen, und…,und er würde auch diesmal nicht dabei sein können. Er würde seinen Sohn nie wieder sehen. Er hatte sich von Klara über den Tisch ziehen lassen. Ohne Probleme hatte sie das Sorgerecht für Sebastian bekommen, und er…, er hatte nichts dagegen getan. Auch als sie ihm gleich nach dem Gerichtsurteil mitteilte, dass sie mit ihrem Neuen und Sebastian in die USA auswandern würde, war er untätig geblieben. Jetzt war es zu spät. Sie waren heute Nacht mit dem letzten Zug nach Frankfurt gefahren, um von dort in die USA zu fliegen. Kein richtiger Abschied von seinem Sohn. Keine Umarmung! Er war wie gelähmt gewesen. Nur ein Tschüß, ein letztes Winken und der Zug hatte sich in Bewegung gesetzt und ihm Sebastian genommen. 

 Von einem durchfahrenden Güterzug wurde Andreas aus seiner Lethargie gerissen. Er starrte auf den Brief. Den Brief, den Klara ihm zum Abschied gegeben hatte, und den er noch immer in der Hand hielt.Mit zittrigen Finger riss er den Umschlag auf und las den Inhalt.  

Lieber Andreas,ich weiß, ich habe Dich sehr verletzt. Bitte verzeihe mir.Hier unsere Adresse falls Du schreiben möchtest.Teddy Craig  267
Curtis Tignor Rd  Newport News Virginia 23608 USA Telefon: 0018041098675  
Du kannst Sebastian  jederzeit anrufen, schreiben und uns besuchen. Sebastian wird sich freuen. Erwarte Dich nächsten Sommer zur Einschulung. Ich freue mich. Ticket liegt bei. Liebe Grüße Klara.P.S. Teddy ist damit einverstanden.  

Lächelnd machte Andreas einen Luftsprung.„Ich habe meinen Sohn doch nicht verloren“, rief er übermütig, “ich sehe ihn im Sommer wieder“, und er rannte voller Glück Richtung Ausgang. 

Persönliches02 Sep 2007 04:09 pm

Heute habe ich endlich mal von Niels erfahren, ob nun alles aus und vorbei ist, oder nicht!

Es ist aus! Was für ein hartes Wort.

Nach fast drei Jahren, drei Jahren, wo ich dachte sie wären glücklich!

Nun gut, in jeder Beziehung gibt es mal Streß und Meinugsverschiedenheiten, aber nach einem Streit, ist doch die Versöhnung noch am Schönsten. Oder?

Aber was kann oder soll man machen, wenn die Mutter sich in die Beziehung einmischt? Nichts kann man machen.

Uns so erging es meinem Sohn.

Letzten Montag, 20.08.2007 kurz nach 20.00 Uhr, rief er an. “Muttern”, so spricht er immer mit mir, “kannst du mich abholen?” Auf meine Fragen, warum und wieso, kam nur ein erzähle ich dir später. Nun gut. Ich kann warten. Aber das Warten dauerte mir einfach zu lange. Und so fragte ich ihn dann. “Was ist los? Muß ich dein altes Zimmer wieder richtig herrichten?”

“Ja”, mehr kam nicht.

“Was ist los?”

 ”Nichts ist los!”

 ”Irgendwas muß doch passiert sein?”

 ”Ja, ihre Mutter hatte sich eingemischt. Sie meinte ich wäre kein guter Umgang für ihre Tochter. Ich wäre faul und würde zu Hause bei ihnen nichts machen. Außerdem würdest du mir die Hand immer vor den Hintern halten.”

Ich, die Hand vor den Hintern halten. Es würde stimmen, wenn sie Jan meinen würde, aber nicht bei Niels. Seit Beginn seiner Lehre wohnte er bei ihnen. Aus Bequemlichkeit, denn von dort ist es nicht so weit zu seiner Lehrstelle. Jedes zweite Wochenende kamen sie uns besuchen. Ich habe bei Jana vieles durchgehen lassen, und mich nie eingemischt. Ihre Launen, wenn ihr mal wieder etwas nicht paßte, oder wenn ihr das Essen nicht so richtig schmeckte. Ich habe dann eben nicht nach ihrem Geschmack gekocht. Geschmäcker sind nun mal verschieden. Oder?

Aber Niels so lange hinhalten, jeden Tag zwei bis drei Mal anrufen, und dann auf einmal Schluß machen ohne einen richtigen Grund anzugeben, finde ich schon etwas gemein.

Vorallem, sie waren noch vom 24.07.- 07.08.2007 zusammen im Urlaub.

Aber Niels ist auch jetzt noch so, er überlaßt ihr doch noch ziemlich viele Dinge, die ihm eigentlich gehören. Auch verteidigt er sie immer wieder, wenn man dann mal was sagt. Ich kann es nicht verstehen, aber deswegen rufe ich doch jetzt nicht Jana an, und sage ihr die Meinung. Ich mische mich da nicht ein.

Ich versuche nur mit Niels ruhig zureden, und ihn auf andere Gedanken zu bringen, damit sein Liebeskummer schnell vorbei geht.

Mehr kann ich nicht für ihn tun. Er muß jetzt unter die Leute gehen, und nicht nach jedem Anruf von ihr, sich wieder runterziehen lassen.

Aber ich weiß, Liebeskummer ist schlimm. Auch für mich als Mutter, wenn ich sehe, wie er leidet.

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